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“Der Kristall der Jugend” 04
 

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Es waren ein paar Tage vergangen, und der Hohepriester blickte von seinen Gemächern auf den Hof, in dem sich die Söldner die meiste Zeit aufhielten. Vor wenigen Stunden waren die Letzten endlich eingetroffen, und Heute würde er alle versammeln und ihnen endlich den Auftrag geben, den sie zu erfüllen hatten.

Er würde dann sehen, wer ablehnte und wer annahm, und wer gut genug war, ihn zu erfüllen. Es wurde auch Zeit - er fühlte schon jetzt die wenigen Wochen an seinem Aussehen nagen, und er wollte den Kristall nun so schnell es ging haben.

"Sagt den Söldnern, ich erwarte sie nun, bring sie in die große Halle." befahl er einem seiner Diener, und der eilte auch gleich davon, um es den Söldnern auszurichten.

Auf dem Hof blickte BlackBolt finster zu zweien der Neuankömmlinge und fletschte kurz seine langen Eckzähne, ehe er zur Seite spuckte und sich wieder zu Brann wandte.

"Verdammt - ich hätte auf Helegar und Sibelir verzichten können, die beiden gehen mir schon seit der Schlacht bei Hirungier auf die Nerven. Können es nicht leiden, daß ich mehr Gegner, und vor allem deren Hauptmann getötet, und die Belohnung eingestrichen habe. Hoffentlich machen sie keinen Ärger, ich denke nicht, daß der Priester glücklich darüber ist, wenn ich sie grille."

Man hörte ihm mehr als nur gut an, daß er die beiden nicht leiden konnte - und es beruhte sichtbar auf Gegenseitigkeit, denn die beiden rothaarigen Nordländer knurrten wütend auf, als sie ihn sahen. Brann hatte schon davon gehört, und grinste grimmig.

"Ich glaube, jeder hat Streß mit ihnen und ich denke, der Priester dürfte wirklich etwas dagegen haben. Er scheint wohl jeden Mann zu brauchen."

Dann kam auch der Bote auf den Hof und rief alle Männer auf, ihm zu folgen. Er hatte wie die meisten Angst vor den Söldnern und ging daher sehr zügig, um sie nicht zu verärgern. Beim Hauptsaal des Tempels ließ er sie allein, und die Söldner wurden vom Hohepiester empfangen.

"Nun gut, ihr habt lange gewartet. Heute werde ich euch sagen, worum es geht."

"Das wird auch Zeit, Alter - denn ich glaube nicht, daß du uns für die Zeit, die wir gewartet haben, bezahlst. Oder ?!"

Auch wenn die Anderen nichts sagten, da sie vor dem Hohepriester Respekt hatten - BlackBolt hatte schon so viele von ihnen kommen und gehen gesehen, daß er sich nicht darum scherte und er wußte auch, daß er jederzeit damit durchkommen konnte, da sie ihn alle fürchteten.

Denn gerade die Priester erzählten unter vorgehaltener Hand von dem Krieger, der von den wilden Göttern des Nordens auf die Welt geholt und von ihnen verflucht worden war, ewig in ihr zu wandern. Auch Drogar wußte, wer der Söldner war, und er legte die meiste Hoffung in ihn.

"Es geht um eine Bestie, sie bewacht einen Kristall in einer Höhle. Dieser Kristall ist heilig und wir brauchen ihn für den Tempel, damit die Menschen hier weiter ein so gutes Leben haben."

Auch wenn er am Meisten davon profitierte, den Menschen hier ging es sehr gut, und daran war nichts zu bemängeln.

"Wir haben schon viele Kämpfer an dieses Monster verloren, es ist noch keiner von dort zurückgekommen. Wer mir den Kristall beschafft, wird königlich bezahlt werden."

"Hah - wenn noch keiner zurückkam, wieso wißt ihr überhaupt, daß dieser Kristall dort ist, Hohepriester ? Und wie hoch ist königlich ? Und was bekommen die anderen Söldner, die mitreiten und helfen, diesen verdammten Kristall zu holen ?! Ich reite nicht mit, damit ich mich hinterher mit den anderen Söldnern um den Kristall streiten muß - nur damit ihr nur einen bezahlen müßt, Hohepriester !"

Sibelir nickte nur zu den Worten seines Bruders, als dieser den Hohepriester so deutlich ansprach - und auch BlackBolt nickte, denn selbst wenn er die beiden Rothaarigen nicht leiden konnte, sie sprachen aus, was alle hier dachten.

"Der Idiot hat recht, Priester - und zwar mit allem ! Ich will auf alle Fragen eine Antwort, ehe ich überhaupt zusage, dorthinzureiten ... und vor allem will ich für die Wartezeit bezahlt werden, verdammt ! Hast du verstanden, Priester ?!"

Es reizte den schwarzhaarigen Nordländer sichtbar, daß der Hohepriester seine Frage völlig ignoriert hatte - und wie um seine Wut zu untermauern, begannen seine Augen, unter winzigsten Blitzen aufzuleuchten.

Drogar mußte umdenken und nickte zu den Dienern, die kleine Beutel mit Gold in den Armen hatten, und diese unter den Männern verteilten.

"Das ist für die Wartezeit. Alle, die lebend zurückkommen, bekommen das Fünffache davon ... und nun gut, ein einziger Mann kehrte von dort zurück, und brachte einen Kristall. Dieser wurde leider durch einen unachtsamen Novizen zerstört, und daher brauche ich einen neuen. Wer es schafft, den Kristall zu bringen, oder welche Gruppe es schafft, bekommt nochmal das Zehnfache."

Es war schon jetzt viel Gold in den Beuteln ... das Land war wohlhabend, und konnte sich das leisten.

"Wer es nicht wagen möchte, kann gern gehen."

Als der Diener ihm und den Anderen die Beutel gaben, verging die Wut des Blitzformers und als er weiter zuhörte, wurde seine Neugier sichtbar geweckt. Sie alle waren neugierig und ein jeder von ihnen nickte kurz, ehe BlackBolt ein weiteres Mal das Wort erhob, auch wenn er nun hörbar ruhiger klang.

"Ich denke, wir werden alle annehmen - aber zuvor will ich wissen, wohin wir überhaupt reisen sollen. Wo liegt diese geheimnisvolle Höhle mit dieser Bestie, die bis auf den einen Mann alle tötete ? Schließlich müssen wir ja wissen, wohin wir sollen, damit wir deinen Auftrag ausführen können, Priester. Und ich sage gleich dazu, daß ich deine Art zu bezahlen, gut finde."

Gerade, daß der Priester jeden Heimkehrer bei einem erledigten Auftrag bezahlte, war schon unerwartet großzügig - doch daß er es begünstigte, daß sich Gruppen bildeten, da diese mehr Gold erwarten konnten, gefiel ihm noch mehr.

Denn auf diese Weise mußten sie alle zusammenhalten, damit sie es schaffen konnten ... denn es gab keine Rivalität um den Siegpreis. Die Söldner mußten auch zusammenarbeiten, damit sie ans Ziel kamen ... es war kein Auftrag für einen einzelnen Mann.

"Die Höhle liegt in einem Tal, einer meiner Männer wird euch bis zum Tal begleiten. Die Bestie kann Menschen in Kristall verwandeln, es kam daher noch keiner zurück. Soweit wir wissen, darf man ihr nicht direkt in die Augen blicken, und sie soll einer Schlange gleichen."

Mehr wußte man nicht. Einzig einige wenige hatten von weitem die kristallisierten Menschen gesehen, und am Rand des Tales wurde Schlangenhaut gefunden, die von dem Monster stammte.

Als er das hörte, knurrte BlackBolt hörbar laut und wütend auf, ehe er seine Faust in einen der marmornen Tische schlug und ihn zerbrach.

"Das Tal des weißen Todes ?! Bei den ewigen Göttern des Himmels, du bist entweder senil oder absolut tollkühn. Dieses Tal ist so groß wie ein Fürstentum und voller uralter Bäume, die schon seit Jahrtausenden wachsen ... und in den Bergen darumherum sind so viele Höhlen, daß man sich dort verirren kann !

Ihr alle seit noch zu jung, um das zu wissen - doch ich lebe schon lange genug, um schon einmal dortgewesen zu sein ... auch wenn ich nicht tiefer drang, da ich nicht so dumm war wie der junge König, der mit seinem Heer in den Wäldern starb. Ich kenne noch die Legende über den Quell, die es einmal gab ... ist es das, was du suchst, Priester ?!"

Die Legende über den Quell der ewigen Jugend war schon seit Jahrhunderten verboten worden und Niemand wußte noch davon - doch der Blitzformer kannte sie noch und verengte nun die Augen, als ihm auffiel, wie alt und schwach der Hohepriester wirkte.

Im selbst war es egal, ob dieser sich die ewige Jugend verschaffen wollte, oder nicht ... doch er wollte Klarheit über den Auftrag, auch wenn es nur zwischen ihnen beiden wäre. Das Tal war bekannt, aber über die Legende war eigentlich seit damals nichts mehr nach außen gedrungen. Drodar seufze innerlich, und nickte schließlich.

"Genau dieses Tal, und genau diese Quelle. Sie ist ein Kristall, der aussieht wie ein menschliches Herz."

Als er das hörte, nickte BlackBolt und sein Gesicht verfinsterte sich für einen Moment, ehe er erneut nickte und antwortete.

"Gut, Priester - das war alles, das ich hören wollte. Ich nehme den Auftrag an und reite mit den Anderen zu dem Tal ... und ich hoffe, du hältst dein Wort und gibst uns den Preis, wenn wir dir das Herz bringen."

Die beiden rothaarigen Nordländer blickten mißtrauisch zwischen dem Berserker und dem Priester hin und her - sie merkten, daß die beiden ein Wissen teilten, das sie selbst nicht besaßen und schworen, es später aus BlackBolt herauszupressen. Doch nicht, ehe sie schon einige Zeit von der Stadt entfernt waren - etwas, das auch die anderen Söldner sich dachten.

Auch BlackBolt wußte, daß er den Anderen reinen Tisch einschenken mußte und ein Blick zu ihnen reichte, daß sie wußten, daß er es tat. Es war ein wortloses Verstehen unter Söldnern, die in einer solchen Situation waren - so lange es nötig war, würden sie zusammenarbeiten und auch alle Informationen teilen, die ihnen nützlich sein konnten.

Der Priester bemerkte es nicht ... er war zufrieden, wie es war, und nickte innerlich. Die Männer würden ihre Arbeit tun und er hoffte, daß zumindest einer von ihnen das Herz mitbrachte, damit er weiter jung blieb und der Tempel weiterhin aufblühte. Brann würde auch noch mit BlackBolt reden, aber auch erst, wenn sie unterwegs waren ... denn dann würde sein Freund alle aufklären.

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