“Drachenblut” 01
Unten im Gasthaus war einiges zu hören und als Alur die Treppe hinabstieg, atmete er tief ein und nahm die Gerüche auf. Stinkende Männer waren meist das Erste, das er roch - aber er hatte sich daran gewöhnt, denn die Menschen wuschen sich seit Ewigkeiten nicht richtig, und daher stanken viele. Den Geruch vom gebratenen Fleisch zog er jetzt vor und den der Männer unterdrückte er. Die Frauen, die hier bedienten rochen anders, und das konnte Alur komplett ignorieren. Als er unten war, ging er auf die dunkle Sitzecke zu, hob nur kurz den Arm und so wußte der Gastwirt gleich Bescheid. Der Vermummte war hier sehr bekannt, denn er war ein wichtiger Händler, und kam mindestens einmal im Monat hierher. „Miranda, bring dem Salz einen Met.“ Die Kellnerin löste sich sofort von den anderen Gästen, tat was gesagt wurde, und beeilte sich. „Eurer Met, der Braten kommt gleich.“ Sie stellte den Met auf den Tisch, und Alur nickte. „Danke, ich habe wirklich Hunger.“ Miranda eilte auch gleich davon, um den Braten zu holen. Derweil nahm Alur einen tiefen Schluck des Mets, und atmete danach tief ein. Wie immer, war der Met aus Honig, und schmeckte wunderbar. Jetzt hörte er aber schon wieder das Flüstern einiger Männer, und lächelte leicht ... auch wenn man es schlecht sah, denn er trug auch hier drinnen einen Umhang mit Kapuze, die sein Gesicht verdeckte. Daß man ihn hier nur 'Salz' nannte, hatte seine Gründe ... denn er war Salzhändler, und das schon sehr, sehr viele Jahre.
Ein jeder hier in dem Dorf und auch den umliegenden Dörfern kannte die Geschichte des Salzhändlers und respektierte ihn ... denn er war der Einzige, der sich nicht nur in die Berge wagte und das Salz abbaute, sondern auch dort lebte. Denn in diesen Bergen hauste auch ein weithin gefürchteter Drache, der bisher alle Krieger und Ritter tötete, die ihn erlegen wollten - und nur dieser Mann war vor ihm sicher, da er sich vor langer Zeit von einem Magier ein Amulett fertigen ließ, das ihn schützte. Doch dieses Amulett hatte laut der Legende einen mehr als nur großen Preis gehabt: Nicht nur die Haut- und Augenfarbe wurden dem Mann genommen, sondern er sollte auch sehr vernarbt sein. Deshalb akzeptierte auch jeder, daß Alur niemals sein Gesicht zeigte - man sah nur immer seine hellvioletten Augen und die weißhäutigen Hände, die diese Legende bekräftigten. Ein fürchterlicher Preis dafür, daß er ihnen allen das so benötigte Salz bringen konnte - und das schon eine sehr, sehr lange Zeit da er auch einen anderen Fluch trug: Das Amulett verletzte den Drachen, als dieser Alur angriff und der Salzhändler bekam versehentlich einen Tropfen von dessen Blut in den Mund, so daß er nicht mehr alterte und starb. Etwas, das zwar vielen als erstrebenswert erschien und immer wieder Abenteurer, Krieger und Ritter herlockte - doch die Dorfbewohner ahnten, wie schlimm es in Wirklichkeit sein mußte, Familie und Freunde altern und sterben zu sehen, denn seit dem ersten Auftauchen des Salzhändlers waren fast zwei Handvoll Generationen geboren worden und starben. Deshalb behandelten sie ihn alle immer respektvoll und grüßten ihn, und berechneten ihm niemals etwas für Essen oder das Zimmer des Gasthauses. Dann wurde jedoch die Türe des Gasthauses mit Wucht aufgestoßen und der Junge eines Bauern stolperte herein, um nach Atem zu ringen. "Der Jäger ... er hat im Wald die Leiche des Ritters gefunden ! Aber die Leiche wurde auf einen Baum gespießt, wir müssen ihn fällen." Als der Dorfälteste das hörte, seufzte er unwillkürlich auf und sprach ernst zu den Männern im Gasthaus. "Holt die Beile und die große Säge - wir fällen den Baum, ehe die Leiche noch Aasfresser anlockt, die sich danach unsere Herden gönnen."
Alur grinste sacht, denn er war der Drache und er hatte wieder mal einen dummen Ritter umgebracht. Diesmal hatte er beim Abwerfen des Toten vielleicht ein Bißchen übertrieben, und teils war es ein kleiner Unfall gewesen. Eigentlich sollte der Körper nur im Baum hängen - daß er dort aufgespießt wurde, hatte Alur nicht so ganz geplant. Jetzt seufzten viele Männer, die nicht betrunken waren und beeilten sich, um zu helfen. Nur noch die Angetrunkenen blieben hier, und die plauderten gerne. Genau das interessierte Alur, denn so wußte er schnell, was bei den Menschen passierte. Sie würden jetzt wieder über den Drachen reden, und auch über die Ritter und Drachenjäger. Den Toten jetzt hatte er etwas weiter weg fallen lassen und genau auf der Seite, die in das Flachland führte. Also war der Salzhändler nicht an dem Toten vorbeigekommen.
Sondern der Jäger hatte ihn entdeckt, als er von seiner Jagd zurück ins Dorf kam und den Raben folgte, die er über dem Baum mit der Leiche kreisen sah. Danach schickte er den Jungen ins Dorf, der noch auf den Feldern in der Nähe arbeitete, damit er die Dorfbewohner holen konnte. Wie erwartet, redeten die Betrunkenen ... doch nicht nur sie, auch die Dorfältesten redeten, und fällten schließich einen Entschluß. "Ab sofort schicken wir alle, die den Drachen töten wollen und nicht wirklich stark sind, wieder weg - ihre Leichen zu bergen und zu beerdigen wird einfach zu mühsam. Und unser Friedhof ist ebenfalls schon übervoll - der Priester bettet sie schon in ein einziges, großes Grab, weil es nicht mehr anders geht und er muß Zauber anwenden, damit der Gestank nicht die Aasfresser anlockt."
Gerade den Ältesten zuzuhören war immer gut und selbst, als die Schankmaid ihm seinen Braten brachte und er sich bedankte, blieben Alurs Ohren bei den Ältesten. „Das ist ein guter Plan und wir sagen ihnen, wenn sie es versuchen, daß wir ihre Leichen nur noch verbrennen. Was haltet ihr davon ? Allerdings hoffe ich, daß bald gar keine mehr kommen werden.“ Jetzt hörte Alur noch etwas besser zu, scheinbar war hier etwas im Gange. Es hatte schon viele Versuche gegeben ihn zu töten, teils hatten sich zwanzig Ritter gesammelt und es versucht, und sogar Zauberer und offizielle Drachenjäger waren auf ihn angesetzt worden. Der Weißhäutige schnaufte innerlich, denn er hatte hier schon vor den Menschen hier gelebt und anfangs geduldet, daß sie sich hier ansiedelten - aber es wurden immer mehr, und sie waren seinem Berg langsam zu nahe gekommen. Dazu versuchten sie wegen ihrer Gier, seinen Berg und somit seinen Hort zu bekommen ... denn sie wollten das Salz, die Mineralien, Metalle und Edelsteine selber abbauen. Und das würde diesen Teil des Landes sehr wohlhabend machen.
"Eine gute Idee. Und ja - ich hoffe auch, daß sie es endlich sein lassen oder daß einer kommt, der stark genug ist und es auch schafft. Diesmal schicken wir Boten in die Dörfer und Städte in der Nähe, daß dieser Ritter ebenfalls tot ist - er war berühmt für seine Kraft, so werden die dummen Abenteurer abgeschreckt." Der Älteste nickte auf die Worte seines Freundes und seufzte leise, ehe er sich wieder straffte. "Genauso machen wir es. Wir sagen den Männern Bescheid wenn sie wiederkommen, und Morgen schicken wir die Boten los."
Es war eher einfach geplant, und doch ganz gut. So konnte Alur die Männer aus dem Weg räumen und sich mit ihnen vergnügen, wenn nur noch die Stärksten kommen sollten. Der Letzte hatte schon Spaß gemacht, und seine Lust ausgiebig befriedigt. Hier in der Stadt würde er sich aber sicher noch an ein oder zwei Männern vergnügen, aber erst einmal genoß er den Braten. Morgen würde er noch weiter handeln, und dann am Abend wieder zurück zu seinem Berg gehen.
}}|{{
Einige Wochen später lächelte der Gastwirt, als er den Salzhändler eintreten sah, der ihr großes Dorf wieder besuchte und sein übliches Zimmer im Gasthaus nahm. "Ich freue mich, dich wiederzusehen, Salz ... ich hoffe, es geht dir gut ? Wie immer hast du ein großes Bündel dabei, die Leute werden sich freuen. Dein Zimmer ist bereit - möchtest du ein Bad, um den Staub der Reise abzuwaschen ? Oder zuerst etwas Met und von dem Eintopf ?"
Der Gastwirt wußte, daß Alur sich gern ein Bad nahm, und hatte es daher angeboten. „Ich werde erst baden und komme dann runter, und dein Eintopf riecht jetzt schon sehr gut.“ Er ging nun gleich nach oben in sein übliches Zimmer und blieb noch angezogen, denn er würde gleich ins heiße Badezimmer gehen, damit er sich wirklich säubern konnte. Frische Kleidung nahm er mit, denn er zog sich nach dem Baden gleich wieder an. Auch das waren die Menschen hier von ihm gewohnt, und es war sozusagen ein kleines Ritual.
Und wie immer, schickte der Gastwirt gleich einen seiner Jungen los, damit er im Ofen des Badezimmers Holz nachlegte und frisches Wasser holte. Dann wurde er aber wieder abgelenkt, als andere Männer kamen und auch die Ältesten, die wie immer hier den Abend genossen und auch mit den anderen Leute redeten.
Alur unterdrückte jetzt sein gutes Gehör und ging gleich ins Bad, als der Junge an seine Tür klopfte. „Das Bad ist bereit.“ Dann flitzte der Junge wieder hinab, denn er hatte wie immer viel zu tun. Erst jetzt ging Alur in das Bad, schloß die Tür und warf einige Kräuter in das heiße Wasser. Dann zog er sich aus und stieg, nachdem er seine Sachen beiseite gelegt hatte, in das heiße Wasser. „Ahhh ... schön.“ Alur genoß es hier wirklich und tauchte gleich unter, um seine blondsilbernen Haare zu waschen, denn er hatte auf dem Weg hierher einiges an Staub eingefangen. Unten stürzte jetzt aber wieder eines der Kinder in das Gastaus, und zu den Ältesten. „Ein Drachenjäger ist ins Dorf gekommen ! Ein echter Drachenjäger.“ Die Kinder waren ganz aufgeregt, denn der Mann trug eine Rüstung aus Drachenschuppen, und trug auch Krallen und Drachenzähne.
Doch sie hielten sich von ihm fern, da dieser Mann nicht nur um einen Kopf größer als der größte Mann im Dorf war, sondern auch viel, viel stärker und so grimmig dreinblickte, daß sie Angst bekamen. Außerdem sahen sie mit Riesenaugen auf dessen Kampfspeer, der noch größer als dieser Mann war und so dick, daß ein normaler Mann ihn bestimmt niemals heben konnte ... und sie wisperten zu einander, daß diese Waffe bestimmt stark genug war, den Drachen zu verletzen. Wie immer, war es Gideon gewohnt, daß die Menschen ihn mieden ... doch als er die Kinder an der Seite sah, die sich verängstigt aneinanderklammerten und ihn mit großen Augen ansahen hielt er an, ging auf ein Knie und winkte sie zu sich, während seine Züge sich etwas entspannten. "Ihr braucht vor mir keine Angst haben, Kinder - ich tue euch nichts. Drachen, Monstern oder Verbrechern schon, aber nicht Kindern. Ich habe einige Fragen, vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen ?"
Die Kinder waren ganz erstaunt, und der kräftigste Junge der kleinen Gruppe hatte Mut genug, und ging nun doch auf den Fremden zu und die Anderen blieben noch vorsichtig hinter ihm. Er war der Sohn des größten Mannes des Dorfs, und staunte daher am Meisten. „Ihr seit größer als mein Vater, das habe ich noch nie gesehen. Wir sollen vom Drachen erzählen, nicht wahr ?“
"Ja, Kleiner - aber erst muß ich zum Schmied. Er ist dein Vater, oder ? Du riechst nach dem Feuer der Esse und heißem Metall, man sieht, daß du schon gut mitarbeitest. Und ja, ich möchte alles über den Drachen wissen, der hier sein soll ... je mehr ich von ihm weiß, desto weniger Schaden wird unser Kampf anrichten." Natürlich hatte Gideon schon gerochen, daß der Junge in einer Schmiede arbeitete und es wäre logisch, wenn dessen Vater auch der Schmied wäre - denn gerade das Schmieden erforderte viel Kraft. Außerdem hielten Kinder nicht mit Informationen zurück weil sie sich etwas davon versprachen ... Kinder waren oft ehrlicher als ihre Eltern und der große Schwarzhaarige hoffte, daß es auch hier so war.
Die Kinder waren hier wirklich noch ehrlich und führten den Drachenjäger gleich zu der Schmiede, die etwas außerhalb war, denn so rauchte das Dorf nicht noch weiter voll und der Schmied hatte mehr Platz für sein Holzlager. Derweil stieg Alur aus der Wanne, heizte seinen Körper etwas mehr auf und trocknete so seinen Körper schnell. Sein Haar blieb noch leicht feucht, aber es war trocken genug, damit er sich wieder anziehen konnte. Gleich danach ging er nach unten und hob eine Braue, da die Alten jetzt schon mehr am Reden waren. Aber er wurde nun kurz abgelenkt als er sich in seine dunkle Ecke setzte und Met und Eintopf einen Moment später zu ihm gebracht wurden. „Danke, er riecht wirklich wunderbar.“ Für ihn war auch extra viel Fleisch mit dabei, denn er hatte ja immer einen langen Weg hinter sich.
"Ich sage es meiner Frau, sie wird sich freuen." Wie immer, war der Salzhändler freundlich und der Gastwirt lächelte, als er wieder zu seiner Theke ging, damit er weiter ausschenken konnte. Gerade jetzt mit diesen Neuigkeiten wollten alle frisches Bier oder Met haben und es war dem Gastwirt nur recht, denn so konnte er ein wenig mehr Umsatz machen als sonst. Er hoffte aber insgeheim wie alle hier, daß es diesmal mit dem Drachenjäger klappen würde - und gerade die Alten diskutierten, was sie dem Drachenjäger anbieten konnten, wenn dieser wirklich so stark war und eine Chance gegen den Drachen hatte.
Alur wollte gerade seinen ersten Bissen nehmen, als die Alten den Drachentöter erwähnten. Der Verhüllte hielt kurz inne, aß dann aber auf und blickte zu den Ältesten. Hatten die etwa doch noch einen Drachenjäger beauftragt, daß er hierherkam? Der Gedanke war da, platzte aber, als er draußen schwere Schritte hören konnte. Dann ging die Tür auf und ein Riesenmann verdeckte das Licht von draußen, bis er sich leicht duckte, um durch die Tür zu kommen. Erst dann strahlte das Licht hinein, verschwand aber, als die Tür wieder zuging. 'Er ist schon hier ... verdammt !' dachte Alur, und schob die leere Schale leise von sich weg und trank erstmal einen Riesenschluck Met hinterher. Dieser Mann war ein Prachtkerl - aber er war ein echter Drachenjäger, das konnte man deutlich an dessen Rüstung sehen. Der Weißhäutige sah, daß es Schuppen von einem alten Drachen waren, und die Farbe kam ihm irgendwie bekannt vor.
Gideon war es gewohnt, daß er sich in den Türen tief bücken und oft genug auch seitlich durchgehen mußte. Innen ließ er gewohnheitsmäßig den Blick seiner gelbroten Augen schweifen, während er seinen Geruchssinn stark drosselte. Denn in dem Gasthaus stank es wie überall in den Gasthäusern nach Bier, Met und ungewaschenen Leibern - ein Geruch, den Gideon möglichst ausblenden wollte. Für einen Moment blieb sein Blick an den weißen Händen des Vermummten in der Ecke liegen ... doch dann wurde er abgelenkt, als die Ältesten ihn an ihren Tisch baten und der Wirt ihnen sofort Bier und Eintopf brachte.
Jetzt, wo er auch noch die Augen des Mannes sah und noch den Geruch von dem Jäger aus dem Gestank der Männer hier herausfilderte, mußte Alur noch einen weiteren großen Schluck nehmen. Jetzt wußte er, von welchem Drachen die Schuppen waren, und scheinbar war der Mann ein Halbblutnachkomme von ihm. 'Karach, du notgeiler, alter Sack. Da hast du einen Nachkommen gemacht, und der hat dich scheinbar irgendwie umgebracht.' Alur kannte den alten Drachen sehr gut, und er hatte ihn absolut nicht leiden können. Jetzt brauchte Alur doch noch einen Met und er hob kurz den Krug und die Schankmaid wußte gleich Bescheid. Derweil machten die Ältesten Platz, und hießen Gideon herzlich hier willkommen. Man sah ihnen auch an, daß sie deutlich mehr Hoffnung hatten, daß dieser Drachentöter den weißen Drachen töten konnte. „Ihr habt sicher Gerüchte von hier gehört, und seit daher hierhergekommen ?“ fragte einer von ihnen, aber versuchte, nicht zu aufdringlich zu sein.
Währenddessen hatte sich der Schwarzhaarige auf den Hocker gesetzt, der ein poliertes Stück Baumstamm war und ihn gut aushielt, legte seinen Reisebeutel ab und knurrte wohlig, als ihm Bier und Eintopf vorgesetzt wurden. "Die Familie von dem idiotischen Ritter, der hier zuletzt getötet wurde posaunte es ja laut genug heraus, daß das Weichei von dem Drachen auf einem Baum aufgespießt wurde ... und da ich gerade keine anderen Monster töten soll, kam ich her und werde euren Drachen töten. Als Preis will ich das Erstrecht auf seinen Kadaver und seinen Hort - und während ich hier bin ein ungezieferfreies Zimmer, jeden Abend ein Bad und genug Verpflegung. Der Schmied kümmert sich gerade um meinen Speer, aber das zahle ich selbst - ich achte die Arbeit der Schmiede sehr. Also, was könnt ihr mir über den Drachen sagen ? Und ich will alles wissen, selbst Kleinigkeiten können nützlich sein, um ihn zu erlegen."
Alur hatte seinen Met bekommen und hörte, was der Drachentöter forderte für das, was er tun wollte. Allein diese tiefe Stimme und der Geruch des Halbblutes waren für ihn auf eine andere Art unerträglich. 'Ich muß hier weg, sonst passiert was.' dachte der Weißhäutige und wartete einen Augenblick ab, als zwei andere Männer aufstanden, weil sie pissen mußten. Alur stand auf und verschwand in dem Moment nach oben, da die zwei die Sicht auf ihn versperrten. Derweil sprachen die Alten, und einer von ihnen erzählte nun auch von dem Salzhändler. „Nur einer kann in sein Gebiet, und das ist der Salzhändler. Er ist gerade ... oh, er ist doch schon zum Ruhen gegangen. Er kam vor kurzem erst hier an und hat immer einen langen Weg, um uns das Salz vom Berg des Drachen zu bringen.“ Erst jetzt hatte der Alte gesehen, daß dessen Platz leer war. Und sie erzählten weiter vorsichtig, was sie von ihm wußten. „Er hat auch einigen Anderen, die den Drachen töten wollten, den Weg gezeigt. Aber das nur aus Zufall, wenn sie da waren, wenn auch er zum Handeln hier ist. Und soweit ich weiß, nur bis in die Nähe des Horts, da er selber davon Abstand hält ... also soweit ich weiß.“ Mehr wußte er auch nicht. „Wir sind froh, wenn der Drache stirbt - wir wollen schon das Salz der Berge selber abbauen können.“ Erst jetzt, wo der Salzhändler nicht hier war, sprachen sie es an ... denn sie hatten, wenn er da war, doch zuviel Respekt vor ihm.
"So so .. der Salzhändler kann dort hin, ohne daß der Drache ihm etwas tut ? Nun, wenn er den Hort meidet, ist es verständlich ... Drachen machen sich nichts aus Salz, sie wollen Kristalle oder Metall. Es war der Vermummte in der Ecke, nicht wahr ? Die Kinder haben mir schon von ihm erzählt, aber das sind sicherlich nur Märchen." Daß in vielen Legenden ein Körnchen Wahrheit steckte, wußte Gideon - und als er nun hörte, was der Alte erzählte, ergab vieles aus den Erzählungen der Kinder mehr Sinn. Dieser Salzhändler schien ein stilles Abkommen mit dem Drachen zu haben ... er störte ihn nicht und ging nicht an dessen Hort, und im Gegenzug schien der Drache ihm das ungeliebte Salz zu geben. Im Augenblick konnte Gideon ihn zwar nicht befragen - aber er hatte vor, dies am Morgen nachzuholen. Während er nachdachte, aß Gideon den Eintopf und nickte, als der Wirt ihm ungefragt eine zweite Schüssel brachte - denn er hatte einen sehr großen Körper zu versorgen, und dafür würde er sicherlich noch zwei weitere Schüsseln brauchen. Jedoch hörte er ein wenig genauer zu, als der Alte ihm von dem Amulett des Salzhändlers und dessen Macht erzählte ... denn gerade das war mehr als nur interessant für den Drachentöter.
}|{



